Donnerstag, 18. März 2010

Edgar hats geschafft!

Der hübsche, 4-monate junge, duftige, weiche Welpe auf meinem Arm ist Superfly's Mr. Spock, genannt EDGAR, im Besitz von Gunnar und Gordon. Das Foto entstand im August 2007, bei einem "Familientreffen". Edgar ist der Neffe von Jamie und der Halbbruder von Joker.
Wahrscheinlich wissen die meisten Leserinnen und Leser dieses Blogs, warum ich heute morgen über Edgar schreibe. Sie wissen es, weil sie zur großen Familie der Whippetliebhaber gehören und manche sind Teil der Superfly's-Familie. Ihnen ging es wie mir; sie schauten am Dienstag, 16.03.2010 auf Mariannes Blog (www.superflys.de) vorbei, um vielleicht neue, süße Welpenbilder zu sehen. Stattdessen brannte sich eine Überschrift auf die Netzhaut: HILFEruf: Whippets weg im Auslauf Arkenberge!

Ich las den Text und schrie nur: "NEIN, NEIN, NEIN!"
Ein schrecklicher Unfall war passiert - der kleine Igor (Bruder von Edgar) wurde von einem LKW erfasst, Gunnar und Gordon mussten die sterblichen Überreste ihres geliebten Hundes von der Straße auflesen - 3 Whippets blieben vermisst, es war bereits dunkel, die Temperaturen waren winterlich. Arkenberge liegt 10 Autominuten von meinem zu Hause entfernt, ich wollte helfen, aber wie? Besitzer und Freunde suchten bis in die späte Nacht hinein, riefen sich die Seele aus dem Leib. Nichts. 3 Whippets blieben verschwunden.
Am nächsten Morgen dann eine hoffnungbringende Nachricht: Einer der Hunde, Victor, war am Arkenberger See aufgetaucht, offensichtlich direkt auf dem Weg zu dem Platz, an dem immer das Auto geparkt wurde. HURRA! Dann, wenige Stunden später, wurde auch Novi, die junge Hündin, gesichtet und konnte von ihren Besitzern in die Arme geschlossen werden. Noch mehr Hoffnung - nun würde Edgar auch bald zurückfinden und Gunnar und Gordon könnten endlich in Ruhe um ihren Igor trauern, mit der Gewissheit, dass ihnen doch wenigstens ihr Edgar geblieben wäre.

Als ich gegen 14:30 Uhr in Arkenberge ankam, traf ich auf Gunnar und Gordon, denen die Resignation und tiefe Traurigkeit ins Gesicht geschrieben stand. Wie konnten wir nur helfen? Flugblätter waren überall in der Umgebung angebracht, mehrere Menschen hatten das Gebiet abgelaufen und gerufen, es war sogar eine Züchterin mit einer läufigen Magyar Agar Hündin gekommen, um verlockende Spuren zu setzen, Polizei und Presse waren informiert, das Jagd- und Forstamt, alles, alles, alles. Aber nichts half gegen die Angst. Gegen die Bilder eines verletzen Edgars, der irgendwo lag und dem nicht geholfen werden konnte, der vielleicht nie wieder zurück kommen würde...

Was würde ein verletzter Edgar tun? Wo könnte er liegen? Gunnar war mehr als skeptisch - LIEGEN? Das "Trudchen" legt sich ohne Decke doch nirgendwo hin!!! Aber das "Trudchen" ist eben nicht nur der geliebte Teil der Familie, genannt "Edgar", nein, er ist vor allem ein TIER, ein HUND, im speziellen ein WHIPPET! Damit ist er nicht nur sensibel und verfroren, sondern eben auch triebig und zäh! Edgar war, wie die anderen Rüden auch, der noch läufigen November im Liebesrausch oder Fortpflanzungstrieb auf den Fersen.

BERICHTIGUNG: Novi wurde heute nochmal tierärztlich untersucht. Es ist definitv so, dass die Hündin längst NICHT MEHR läufig war und dass die Rüden ihr Verletzungen an den äußeren Geschlechtsteilen zugefügt haben, aber es wohl auch nicht zu einem Eindringen gekommen ist.

Es kamen Nachrichten, dass irgendwelche Menschen einen verletzten Whippet gesehen hätten. Vielleicht Edgar?
Nochmal liefen wir einen Teil des großen Gebietes ab - die Hoffnung stirbt zuletzt.
War Edgar vielleicht in dieselbe Richtung gerannt wie Igor und weiter über die Autobahn? Ich fuhr die Autobahn Richtung Frankfurt-Oder ab, was logischerweise ziemlich aussichtslos war, schließlich konnte ich nicht in Schrittgeschwindigkeit fahren und in den Straßengraben schauen. Meine Tochter fragte Gunnar noch, ob Edgar vielleicht nach Hause gelaufen sein könnte. Nein, sie seien doch erst vor kurzem umgezogen, das könnte nicht sein (das neue zu Hause liegt aber näher an Arkenberge als das alte...). Wie lange sollte Edgar noch unauffindbar bleiben?
Ich musste abbrechen, nach Hause fahren, vorher noch einkaufen, stand im "Netto", als mich ein Anruf von Uli erreichte: "Edgar ist da! Er ist auf einer Polizeistation gleich ums Eck von Gunnars neuer Adresse!" Dieses Gefühl der Erleichterung und Freude kann ich kaum beschreiben. Ich weinte nur noch.

Was ich aus einer SMS von Gunnar weiß ist, dass Edgar eine 10 x 4 cm große Wunde hat, vermutlich wurde er mitgeschleift. So eine Verletzung kann nicht genäht werden, sie muss sekundär heilen, was bis zu Monaten dauern kann. Alles aber nicht so schlimm - Edgar wird gehegt und gepflegt, Wunden können heilen.

Die Wunde jedoch, die in Gunnars und Gordons Herzen klafft, die der tragische Tod ihres geliebten "Igorsche" hinterlässt, wird sehr viel Zeit zum heilen brauchen.
Kleiner, großer Igor - Superfly's Onyx - viele Kerzen brennen für dich. Du fehlst, wir sind sehr traurig.

Nachtrag: Gunnars Brief ist hier zu lesen. Offensichtlich hatte Edgar eine ganze Fußballmannschaft von Schutzengeln, denn er war immer bei seinem Igor, so auch in den letzten Sekunden seines Lebens. Edgar hatte Glück, er wurde vom LKW mitgeschleift, aber behielt sein Leben. DANKE.

Kommentare:

Gunnar hat gesagt…

Liebe Nina, danke für deinen einfühlsamen Bericht. Natürlich sitze ich schon wieder und weine....
Vor allem bei dem Foto von Igor... Ich glaube, ich muss in der nächsten zeit erstmal auf Igor-Fotos verzichten. Ich weine sofort los. Er war unser "Flauschi", er konnte so neckisch schauen und war so ein schelm. WAR!
Ja, zäh sind sie, die Whippen, das hat Edgar bewiesen. Ach unser Ede, wie froh wir sind, dass man ihn uns ließ!
Herzlichen Gruß Gunnar

Anonym hat gesagt…

Hi Ilona
Ich jetzt auch die zwei Tage die man sich die schlimsten sachen ausgemalt hat und als ich das mit Igor glesen habe da war ich erst mal auf dem Klo und habe mich übergeben so kraz fand ich das (geht mir jetzt immer noch so)und Ihr Gordon und Gunnar und euere süßer Edgar seit ganz lieb von mir gedrückt, und Nina der bricht ist supper toll so toll das ich schon wider neue Taschen tücher brauche leider .
P.S. Das ist so eine Ungerichtickeit das des einen rißen großes leid und eine kleine freude so dicht zu sammen liegen kann ich trau mich gar nicht mich zu freuhen wenn man so was lißt.
LG Tanja

Nina hat gesagt…

Liebe Tanja,

doch, doch - freu dich richtig dolle! Wenn wir uns freuen, dass Edgar am Leben ist und auch wenn wir uns freuen, dass unsere Whippets leben und springen, dann bedeutet das nicht, dass wir nicht tieftraurig sind über Igors schrecklichen Tod.

Herzliche Grüße,
Nina

Marianne hat gesagt…

Danke Nina für die Berichtigung. Es sollte nicht fälschlicherweise so aussehen, als wären hier verantwortungslose Hundehalter mit einer läufigen oder "so gut wie läufigen" Hündin Ursache für das tragische Geschehen.

Ansonsten ein sehr einfühlsamer Bericht!!